Nach der Besichtigung und der Zustandsbewertung haben Sie eine Liste: Positionen, Noten, geschätzte Kosten, Zeitpunkte. Jetzt muss diese Liste zwei Dinge leisten – in Ihrer Kalkulation die Wahrheit sagen und in der Verhandlung Geld sparen. Beides folgt derselben Logik, aber nicht denselben Zahlen.
Teil 1: Sanierungskosten in der Kalkulation
Die Kosten aus dem Protokoll verteilen sich auf drei Töpfe. Welche Position in welchen Topf gehört, entscheidet der Zeitpunkt.
Topf 1: Sofortbedarf → Anschaffungskosten
Alles, was vor der (Weiter-)Vermietung oder im ersten Jahr gemacht werden muss – Note 5 im Protokoll, plus alles, was Sie bei einem Mieterwechsel ohnehin machen. Diese Kosten behandeln Sie wie einen Teil des Kaufpreises: Sie erhöhen die Anschaffungskosten, damit den Eigenkapitalbedarf, und sie verwässern die Netto-Mietrendite.
| Kaufpreis | 220.000 € | |
| + | Kaufnebenkosten | 26.422 € |
| + | Bau- u. Sanierungskosten bei Anschaff. | 11.500 € |
| = | Anschaffungskosten | 257.922 € |
Werte der Quodomo-Beispielimmobilie, berechnet mit derselben Rechenlogik wie in der App. Alle Kennzahlen: Kennzahlen-Glossar.
In der Beispielimmobilie sind 11.500 € Bau- und Sanierungskosten bei Anschaffung enthalten – sie machen aus 220.000 € Kaufpreis und 26.422 € Nebenkosten 257.922 € Anschaffungskosten. Auf diese Basis wird die Rendite gerechnet.
Topf 2: Kurzfristiger Bedarf → Maßnahmenplan
Positionen mit Note 4 – Erneuerung in 1–3 Jahren. Diese Beträge legen Sie als einzelne Maßnahmen mit Jahr und Betrag an. Sie belasten den Cashflow des jeweiligen Jahres und müssen aus Reserven oder einem Nachfinanzierungsbedarf gedeckt werden. Der Vorteil gegenüber einer Pauschale: Sie sehen, in welchem Jahr es eng wird.
Topf 3: Mittelfristiger Bedarf → Rücklage
Positionen mit Note 3 – Erneuerung in 3–8 Jahren. Hier reicht in der Regel eine erhöhte Instandhaltungsrücklage: Statt des Richtwerts von 10–12 € / m² setzen Sie 15–20 € / m² an, oder Sie legen auch diese Positionen als Maßnahmen mit geschätztem Jahr an. Letzteres ist genauer und in Quodomo der empfohlene Weg.
Teil 2: Vom Sanierungsbedarf zur Preisforderung
Die naive Rechnung – „39.000 € Sanierung, also 39.000 € Nachlass“ – funktioniert nur, wenn der Verkäufer einen Preis für ein saniertes Objekt aufruft. Meist tut er das nicht. Die belastbare Rechnung geht über den Vergleich mit sanierten Objekten:
- Sanierter Vergleichspreis ermitteln. Was kosten vergleichbare Wohnungen in saniertem Zustand pro m²? Quelle: Gutachterausschuss, Angebote, Quodomo-Standortanalyse. Beispiel: 3.100 € / m² × 72 m² = 223.200 €.
- Sanierungskosten abziehen. 223.200 € − 39.000 € = 184.200 €.
- Risiko- und Aufwandsabschlag. Sie tragen Bauzeit, Organisationsaufwand, Kostenrisiko und Mietausfall während der Sanierung. Üblich sind 10–20 % der Sanierungskosten: −5.000 €.
- Ihr fairer Preis: ca. 179.000 €. Der Verkäufer verlangt 185.000 € – die Lücke ist 6.000 €, nicht 39.000 €.
In diesem Beispiel hat der Verkäufer den Zustand also schon fast vollständig eingepreist. Das ist eine wichtige Erkenntnis: Die Verhandlung wird eng, und die eigentliche Frage ist, ob sich das Objekt bei 179.000–185.000 € für Sie rechnet.
Teil 3: Verhandlungsleitfaden
Vorbereitung
- Protokoll mit Fotos und Kostenschätzung als kurzes Dokument (2 Seiten) – Quodomo erstellt daraus einen Report
- Bei Positionen über 10.000 €: ein konkretes Handwerkerangebot oder die Einschätzung eines Sachverständigen
- Ihre Preisgrenze aus der Kalkulation: Bei welchem Preis ist die Netto-Rendite über dem Zins und der Cashflow tragbar? Diese Zahl kennen nur Sie.
Gesprächsführung
- Interesse bestätigen – Sie wollen kaufen, nicht kritisieren.
- Die zwei bis drei größten Positionen benennen, mit Beleg. Nicht die ganze Liste – zehn Kleinigkeiten wirken wie Nörgelei, zwei große Posten wie Sachkunde.
- Die Rechnung offenlegen: sanierter Vergleichswert minus Sanierungskosten minus Risikoabschlag.
- Preis nennen, der 3–5 % unter Ihrer Grenze liegt – Raum für den Verkäufer, Ihnen entgegenzukommen.
- Alternativen zum Preisnachlass anbieten, wenn der Verkäufer beim Preis hart bleibt: Übernahme der Maklerprovision, mitverkauftes Inventar (senkt die Grunderwerbsteuer), späterer Übergabetermin, Verkäufer lässt Mängel vor Übergabe beheben.
Ausstieg
Wenn der Preis über Ihrer Grenze bleibt: aussteigen. Die Kalkulation hat Ihnen gesagt, ab wann das Objekt sich nicht rechnet – das ist keine Verhandlungstaktik, sondern das Ergebnis. Das nächste Angebot kommt.
Checkliste: Sanierungskosten einpreisen
- Protokoll ausgewertet: jede Position mit Note, Kostenschätzung und Zeitpunkt
- Sofortbedarf (Note 5 + Mieterwechsel-Renovierung) zu den Anschaffungskosten addiert
- Kurzfristige Maßnahmen (Note 4) als Einzelposten mit Jahr im Cashflow-Plan
- Mittelfristige Maßnahmen (Note 3) als Maßnahmen oder erhöhte Rücklage
- WEG-Anteile über Miteigentumsanteil berechnet; beschlossene Sonderumlagen voll angesetzt
- 15-%-Grenze (anschaffungsnahe Herstellungskosten) geprüft und Zeitplan ggf. angepasst
- Sanierter Vergleichswert pro m² recherchiert
- Fairer Preis = Vergleichswert − Sanierung − Risikoabschlag berechnet
- Eigene Preisgrenze aus Netto-Rendite und Cashflow festgelegt
- Die 2–3 größten Positionen mit Beleg für das Gespräch vorbereitet